Archiv für das Monat: Juli, 2026

Sensation in Bochum: Jannik Gerhardy fliegt zu DM-Gold und bucht das EM-Ticket

Bochum – Bei den Deutschen U18-Leichtathletik-Meisterschaften im Lohrheidestadion in Bochum hat Hochspringer Jannik Gerhardy von der Troisdorfer LG sensationell den deutschen Meistertitel gewonnen. Mit übersprungenen 2,08 Metern setzte sich der Troisdorfer in einem hochklassigen Wettkampf gegen die nationale Elite durch. Der Erfolg ist das Resultat einer außergewöhnlichen Teamleistung, eiskalter Nervenstärke und einer punktgenauen sportlichen Planung. Das Timing passte perfekt: Zeitgleich feierte die Troisdorfer LG in der Heimat ihr 60-jähriges Vereinsbestehen – Gerhardy lieferte dazu das passende sportliche Geburtstagsgeschenk.

Die Vorbereitung: Eine trainingswissenschaftliche Punktlandung

Hinter dem Triumph liegt eine monatelange Leidenszeit. Ein hartnäckiges Patellaspitzensyndrom am Stemmbein bremste Gerhardy die gesamte Saison über aus. Um das Knie zu schonen, musste Jannik auf wichtige Wettkämpfe und Landesmeisterschaften verzichten. Die Vorbereitung war eine medizinische und trainingswissenschaftliche Punktlandung. Da Heimtrainer Michael tom Felde zeitgleich seine eigenen Kinder beim Pau Gasol Basketball Camp in Barcelona begleitete, konnte er in Bochum nicht an der Bande stehen. Die sportliche Planung und der Fahrplan für diesen Wettkampf standen jedoch. Die Umsetzung und Betreuung vor Ort wurde durch Landestrainer Roman Buhl kompetent übernommen. Für die medizinische Stabilität in den letzten Monaten sorgte die physiotherapeutische Praxis „Balance Point“ (Sebastian Sohns) in Bonn. Die klare Marschroute für Bochum lautete: Das offizielle EM-Limit von 2,01 Metern springen und Platz eins oder zwei für die sichere Nominierung absichern.

15-Sprung-Marathon und Nervenkrimi bei 1,94 Metern

Der Wettkampfverlauf verlangte Jannik alles ab. Da er verletzungsbedingt kaum Hochsprungtraining absolvieren konnte, war ein ungewöhnlich früher Einstieg bei 1,85 m notwendig, um im großen Teilnehmerfeld Rhythmus und Anlauf aufzubauen. Das führte zu einem enormen Pensum: Während die Konkurrenz im Schnitt mit maximal neun Versuchen durchkam (normal sind 8-10 Sprünge), musste der Troisdorfer 15-mal anlaufen – eine extreme Belastung für sein Knie.

Bei 1,94 m folgte der Moment, der den EM-Traum fast platzen ließ. Jannik leistete sich zwei Fehlversuche. Mit dem Rücken zur Wand bewies der U18-Athlet jedoch die Nervenstärke eines Routiniers, behielt trotz böiger Windverhältnisse seine Routine und rettete sich im dritten Versuch im Wettbewerb.

Taktisches Finale und der Sprung nach Europa

Bei der internationalen Spitzenhöhe von 2,06 Metern folgte der sportliche Wendepunkt. Während der Top-Favorit und amtierende deutsche U20-Hallenmeister Jan Ungeheuer (Turnklub Grevenbroich) mit den Bedingungen kämpfte, flog Jannik direkt im ersten Anlauf fehlerfrei über die Latte. Dieser perfekte Erstversuch erhöhte den Druck auf Ungeheuer massiv. Um im Kampf um Gold zu bleiben, nahm der Grevenbroicher seine verbleibenden Versuche mit auf die nächste Höhe von 2,08 m.

Das Risiko des Favoriten wurde nicht belohnt – Jan Ungeheuer riss die Höhe. Damit stand Jannik Gerhardy vorzeitig als Deutscher Meister fest. Befreit von jeglicher Last überquerte der frischgebackene Champion im dritten Versuch auch die 2,08 Meter und untermauerte sein EM-Ticket meisterlich. Auf weitere Sprünge bei 2,10 m verzichtete das Trainerteam.

„Nach den Monaten voller Knieschmerzen war dieser Wettkampf unglaublich“, erklärte Jannik Gerhardy. „Als ich bei 1,94 m im dritten Versuch stand, ging es um alles oder nichts, da war ich schon nervös“. „Dass es dann sogar noch zu 2,08 Metern und Gold gereicht hat, kann ich selbst kaum fassen.“

Heimtrainer Michael tom Felde ergänzte aus Barcelona: „Nach dem starken Wettkampf in Siegburg wussten wir: Wenn das Knie hält, ist eine Punktlandung bei 2,06 Metern drin. Der Plan stand in der Theorie und Roman Buhl hat ihn vor Ort mit Jannik super umgesetzt. Ich bin unglaublich stolz auf Janniks mentale Stärke – er hat das selbst absolut stark gelöst. Mein besonderer Dank gilt unserer Troisdorfer LG: Dass der Verein uns komplett freie Hand gelassen und vertraut hat, war das unschätzbare Fundament für diesen Erfolg.“

Mit seiner Siegerhöhe von 2,08 Metern wird Gerhardy aktuell auf Platz 9 in Europa geführt. Vom 16. bis 19. Juli 2026 wird er nun das Nationaltrikot bei der U18-Europameisterschaft in Rieti (Italien) vertreten.

Starke Leistungen der TLG beim Alwin-Herrmann-Schülersportfest

Bei unserem traditionellen Alwin-Herrmann-Schülersportfest am 28. Juni präsentierten sich die Nachwuchsathletinnen und -athleten der Troisdorfer LG in hervorragender Form. Mit 400 Teilnehmern war der Wettkampf gut besucht und verlief trotz der herausfordernden Hitze ohne Probleme.
Mit zahlreichen Podestplätzen, persönlichen Bestleistungen und überzeugenden Auftritten in den verschiedensten Disziplinen zeigte das TLG-Team einmal mehr seine Vielseitigkeit.

Bereits in der Altersklasse M8 sorgten die jungen Sprinter und Springer für starke Ergebnisse. Über 50 Meter sprintete Joscha Gebauer in 8,31 Sekunden auf den 2. Platz. Im Weitsprung ließ er der Konkurrenz keine Chance und gewann mit 3,71 Metern souverän den Wettbewerb. Moritz Kamp erreichte über 50 Meter in 8,51 Sekunden den 3. Platz und wurde mit 3,45 Metern Zweiter im Weitsprung. Auch Nora Bernards durfte sich über einen Podestplatz freuen: In der W8 belegte sie über 50 Meter in 8,91 Sekunden Rang drei und sprang mit 3,13 Metern ebenfalls auf den 3. Platz im Weitsprung.
Die W11 der TLG war nicht weniger erfolgreich: Im Ballwurf überzeugte Nele Schlebusch mit 31 Metern und sicherte sich den 2. Platz. Gleich doppelt erfolgreich war Hümeyra Kurt, die über 800 Meter in 3:01,70 Minuten Zweite wurde und zusätzlich mit 27,50 Metern den 3. Platz im Ballwurf erreichte. Im Hochsprung überquerte Finja Winkler starke 1,10 Meter und belegte damit Rang drei.

Bei den Jungen der Altersklasse M11 war Tim Wielpütz mit 35 Metern im Ballwurf erfolgreich und wurde Dritter. Im Weitsprung sprang Elian Ta mit 4,16 Metern auf einen hervorragenden 2. Platz.
Auch die älteren Athletinnen und Athleten der Troisdorfer LG sammelten zahlreiche Topplatzierungen. Über 75 Meter lief Nazarii Mazur in 10,40 Sekunden auf den 2. Platz. In den Hürdenwettbewerben zeigte die TLG ihre Stärke: Matteo Meutzner erreichte Platz zwei, während Jussi Mühlhausen siegte . Jana Feuerherm konnte sich über 60 Meter Hürden ebenfalls mit rund einer Sekunde Vorsprung gegen die Konkurrenz durchsetzen Zusätzlich sicherte sich Jussi im Weitsprung den 3. Platz, Jana lief über 75m auf Rang 3.
Lena Martins (W13) rundete das starke Gesamtergebnis der Troisdorfer LG mit dem Sieg im Hochsprung ab. Mit übersprungenen 1,35 Metern sicherte sie sich verdient den ersten Platz.
Bei unseren älteren Athleten konnte Jakob Döhler (M14) über 100 Meter in 13,06 Sekunden eine neue persönliche Bestleistung aufstellen.

Mit vielen Medaillen, persönlichen Erfolgen und großem Einsatz blickt die TLG auf einen äußerst erfolgreichen Wettkampftag in Troisdorf zurück. Die gezeigten Leistungen machen Lust auf die kommenden Veranstaltungen der Sommersaison.

Wetterkapriolen bei der 24h DM – Michael Irrgang gewann 3 Medaillen

Trotz angekündigten Hitze- und Gewitterwarnungen wurde die diesjährige 24h-Lauf-Meisterschaft in Delmenhorst am Samstag pünktlich um 12 Uhr gestartet. Überdurchschnittlich viele Frauen und Männer setzten sich in Bewegung, um fortan in 24h so weit zu laufen oder zu wandern, wie es geht. Die meisten von ihnen hatten in den letzten Wochen ihre Hitzeverträglichkeit trainiert und einen angepassten Plan. So kam es auch zu keinen ersten Zwischenfällen. Optimistisch wie immer hoffte ich auf ein sehr gutes Rennen, denn ich hatte bei noch heißeren Bedingungen meine letzten Trainingseinheiten absolviert.
Im Schatten waren es am Samstagnachmittag beherrschbare 35 bis 37 Grad.

Die tagsüber überwiegend schattige, 1,34 km-lange Runde verlief über staubige Parkwege und einen gepflasterten Parkplatz, hatte einen Bereich zur Eigenverpflegung, einen großen gemeinsamen Verpflegungsbereich, wo es neben einer großen Anzahl von Speisen und Getränken auch eine Massage sowie Wasserwannen zum Kühlen gab. Mein Startpassverein ist die LG Ultralauf, ein überregionaler Ultralaufverein, von dem etwa 20 Frauen und Männer am Start waren. Außerdem hatten wir einige Betreuer vor Ort und gut ausgestattete Pavillons. Das war Gold wert, denn so bekamen die Athleten ihre Spezialverpflegung freundlich angereicht und hatten einen Rückzugsort zum Ausruhen. Die ersten Stunden vergingen und alles verlief nach Plan – Pace und Puls passten! Vorne rannten die Eliteläufer ein atemberaubendes Tempo, hinten im Feld wurde sehr frühzeitig viel gewandert und jede Bank im Schatten für eine kurze Verschnaufpause genutzt und im mittleren Leistungsbereich, wozu ich mich zähle, wurde in einer individuellen Mischung aus Gehen und Laufen fleißig Kilometer gesammelt.

Stündlich wurde die Strecke etwas leerer, teils weil Teilnehmer ihr Rennen abbrachen oder sehr lange pausierten. Abends wurde es aufgrund des aufkommenden, leichten Windes etwas angenehmer aber selbst um Mitternacht waren es noch fast 30 Grad! Das angesagte Gewitter sah man zunächst nur in der Ferne, aber das beunruhigte niemanden, bis plötzlich ein lauter Donner zeitgleich mit einem Blitz zu hören war. Der Regen zuvor war zunächst unmerklich und eher angenehm, wurde dann stärker, sodass viele ihre Regenjacken anzogen, und schwächte sich aber bereits wieder ab, als plötzlich gegen 3 Uhr das Rennen unterbrochen wurde. Nach Überquerung der elektronischen Rundenzählung wurden die Teilnehmer direkt in eine Turnhalle geleitet, um dort zu warten.

Als um halb 6 das Rennen neu gestartet wurde, war die Sonne bereits aufgegangen. Die ersten Runden fühlten sich für mich echt schlimm an. Der Körper war in einer Art Schlaf- oder Regenerationsmodus und wehrte sich gegen einen Wiederanlauf des Motors. Aber schließlich stimmte fast alles wieder, nur der Puls war viel zu niedrig, und so konnte ich die letzten Stunden noch ein einigermaßen gutes Tempo halten, was den allerwenigsten Teilnehmern gelang. Gegen 10 Uhr kam schließlich die kraftvoll scheinende Sonne wieder. Da vormittags ein Großteil der Strecke in der Sonne lag, wurden die Teilnehmer zum Ende hin noch einmal ordentlich gebraten.

Die letzte Stunde war – wie so oft – magisch. Obwohl alle Läuferinnen und Läufer körperlich völlig ko waren, begannen einige einen nicht für möglich gehaltenen Endspurt. Viele Zuschauer am Streckenrand feuerten lautstark die Laufteilnehmer an und sorgten so für eine Gänsehautatmosphäre. Irgendwann ertönte schließlich ein lautes, erlösendes Signal und die Teilnehmer blieben stehen, damit die Restmeter vermessen werden konnten, woraus sich dann die metergenaue Gesamtleistung berechnet. Von den 141 gestarteten Männern im offenen Lauf erzielte Michael Irrgang einen hervorragenden 16. Platz mit 163,9 Kilometern und erzielte damit den zweiten Platz in seiner Altersklasse M60 (Jahrgang 1962 bis 1966). Dazu kommt noch eine Goldmedaille mit seinen Vereinskollegen und eine Goldmedaille mit der Männerseniorenmannschaft. Insgesamt eine bisher nie erzielte Auswahl von Meisterschaftsmedaillen in meiner langen Ultralaufkarriere!

Spätestens bei der Siegerehrung wurde allen Beteiligten klar, was für unfassbar sensationelle Leistungen erzielt wurden. Der beste Mann lief 211,9 km, die beste Frau 202,5, die älteste Teilnehmerin, lief mit ihren 87 Jahren 105,5 Kilometer! Insgesamt war es eine hervorragend organisierte Deutsche Meisterschaft mit angekündigtem Extremwetter. Die Bedingungen waren sehr hart, aber die Teilnehmer teilten sich überwiegend ihr Rennen klug ein, kämpften und konnten sich am Ende über ihre guten Leistungen freuen.