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Wetterkapriolen bei der 24h DM – Michael Irrgang gewann 3 Medaillen

Trotz angekündigten Hitze- und Gewitterwarnungen wurde die diesjährige 24h-Lauf-Meisterschaft in Delmenhorst am Samstag pünktlich um 12 Uhr gestartet. Überdurchschnittlich viele Frauen und Männer setzten sich in Bewegung, um fortan in 24h so weit zu laufen oder zu wandern, wie es geht. Die meisten von ihnen hatten in den letzten Wochen ihre Hitzeverträglichkeit trainiert und einen angepassten Plan. So kam es auch zu keinen ersten Zwischenfällen. Optimistisch wie immer hoffte ich auf ein sehr gutes Rennen, denn ich hatte bei noch heißeren Bedingungen meine letzten Trainingseinheiten absolviert.
Im Schatten waren es am Samstagnachmittag beherrschbare 35 bis 37 Grad.

Die tagsüber überwiegend schattige, 1,34 km-lange Runde verlief über staubige Parkwege und einen gepflasterten Parkplatz, hatte einen Bereich zur Eigenverpflegung, einen großen gemeinsamen Verpflegungsbereich, wo es neben einer großen Anzahl von Speisen und Getränken auch eine Massage sowie Wasserwannen zum Kühlen gab. Mein Startpassverein ist die LG Ultralauf, ein überregionaler Ultralaufverein, von dem etwa 20 Frauen und Männer am Start waren. Außerdem hatten wir einige Betreuer vor Ort und gut ausgestattete Pavillons. Das war Gold wert, denn so bekamen die Athleten ihre Spezialverpflegung freundlich angereicht und hatten einen Rückzugsort zum Ausruhen. Die ersten Stunden vergingen und alles verlief nach Plan – Pace und Puls passten! Vorne rannten die Eliteläufer ein atemberaubendes Tempo, hinten im Feld wurde sehr frühzeitig viel gewandert und jede Bank im Schatten für eine kurze Verschnaufpause genutzt und im mittleren Leistungsbereich, wozu ich mich zähle, wurde in einer individuellen Mischung aus Gehen und Laufen fleißig Kilometer gesammelt.

Stündlich wurde die Strecke etwas leerer, teils weil Teilnehmer ihr Rennen abbrachen oder sehr lange pausierten. Abends wurde es aufgrund des aufkommenden, leichten Windes etwas angenehmer aber selbst um Mitternacht waren es noch fast 30 Grad! Das angesagte Gewitter sah man zunächst nur in der Ferne, aber das beunruhigte niemanden, bis plötzlich ein lauter Donner zeitgleich mit einem Blitz zu hören war. Der Regen zuvor war zunächst unmerklich und eher angenehm, wurde dann stärker, sodass viele ihre Regenjacken anzogen, und schwächte sich aber bereits wieder ab, als plötzlich gegen 3 Uhr das Rennen unterbrochen wurde. Nach Überquerung der elektronischen Rundenzählung wurden die Teilnehmer direkt in eine Turnhalle geleitet, um dort zu warten.

Als um halb 6 das Rennen neu gestartet wurde, war die Sonne bereits aufgegangen. Die ersten Runden fühlten sich für mich echt schlimm an. Der Körper war in einer Art Schlaf- oder Regenerationsmodus und wehrte sich gegen einen Wiederanlauf des Motors. Aber schließlich stimmte fast alles wieder, nur der Puls war viel zu niedrig, und so konnte ich die letzten Stunden noch ein einigermaßen gutes Tempo halten, was den allerwenigsten Teilnehmern gelang. Gegen 10 Uhr kam schließlich die kraftvoll scheinende Sonne wieder. Da vormittags ein Großteil der Strecke in der Sonne lag, wurden die Teilnehmer zum Ende hin noch einmal ordentlich gebraten.

Die letzte Stunde war – wie so oft – magisch. Obwohl alle Läuferinnen und Läufer körperlich völlig ko waren, begannen einige einen nicht für möglich gehaltenen Endspurt. Viele Zuschauer am Streckenrand feuerten lautstark die Laufteilnehmer an und sorgten so für eine Gänsehautatmosphäre. Irgendwann ertönte schließlich ein lautes, erlösendes Signal und die Teilnehmer blieben stehen, damit die Restmeter vermessen werden konnten, woraus sich dann die metergenaue Gesamtleistung berechnet. Von den 141 gestarteten Männern im offenen Lauf erzielte Michael Irrgang einen hervorragenden 16. Platz mit 163,9 Kilometern und erzielte damit den zweiten Platz in seiner Altersklasse M60 (Jahrgang 1962 bis 1966). Dazu kommt noch eine Goldmedaille mit seinen Vereinskollegen und eine Goldmedaille mit der Männerseniorenmannschaft. Insgesamt eine bisher nie erzielte Auswahl von Meisterschaftsmedaillen in meiner langen Ultralaufkarriere!

Spätestens bei der Siegerehrung wurde allen Beteiligten klar, was für unfassbar sensationelle Leistungen erzielt wurden. Der beste Mann lief 211,9 km, die beste Frau 202,5, die älteste Teilnehmerin, lief mit ihren 87 Jahren 105,5 Kilometer! Insgesamt war es eine hervorragend organisierte Deutsche Meisterschaft mit angekündigtem Extremwetter. Die Bedingungen waren sehr hart, aber die Teilnehmer teilten sich überwiegend ihr Rennen klug ein, kämpften und konnten sich am Ende über ihre guten Leistungen freuen.