Einen Tag auf dem Rheinsteig unterwegs – mit Michael Irrgang

Am 23. November startete um 11 Uhr auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz eine Gruppe von 48 Personen auf einer Strecke von 138 km mit etwa 4.500 Höhenmeter, um über den Rheinsteig bis nach Bonn Ramersdorf zu laufen. Wer sich zum KOBOLT (Koblenz-Bonn-Ultratrail) anmeldet, weiß in der Regel, was ihn erwartet: Kalt, nass, dunkel, schwierige Wegfindung und wenige, aber herzliche Versorgungspunkte.

Für mich war es die dritte Teilnahme nach 2013 und 2022. Aber diesmal waren die Voraussetzungen nicht so gut, da ich leicht angeschlagen bin und mit wenig Training (dafür gut ausgeruht) in den Wettkampf startete. Also Erwartungen reduzieren, vorsichtig beginnen und mal schauen, wie sich der Tag entwickelt.

Das Wetter war ganz ok. Es war kalt und windig, wobei der Wind meist aus südlicher Richtung kam und ganz gut schob. Und entgegen der Vorhersage eines zu erwarteten, abendlichen Regens blieb es trocken.

Das erste Stück führte zum ersten Versorgungspunkt nach Rengsdorf, wo es bitterkalt war. Es lagen dort 5 cm Schnee und die Wege waren teilweise vereist! Kurz nach Aufbruch wurde es dunkel und als ich wieder bei Leutesdorf den Rhein sehen konnte, war es zum Glück wieder deutlich wärmer und außerdem war die Nacht recht klar und bot so immer wieder herrliche Blicke auf die Schiffe auf dem Rhein sowie die beleuchteten Städte in Ufernähe.

Gegen 22 Uhr erreichte ich den zweiten Versorgungspunkt in Arienheller, wo ich irgendwie viel mehr Zeit als geplant brauchte, um die Flaschen und Taschen aufzufüllen und mich für die Nacht zu stärken. Seit etwa der dritten Stunde war ich alleine unterwegs und daran sollte sich bis zum Ziel auch nichts dran ändern, aber ich mag das und komme gut damit klar, alleine nachts auf unbekannten Wegen durch die Nacht zu laufen und zu wandern.

Als ich am vierten und letzten Versorgungspunkt in Rhöndorf ankam, dämmerte es schon ein wenig. So konnte ich einen unspektakulären Sonnenaufgang auf dem Drachenfels erleben.

Obwohl im Kopf der Gedanke „ist nicht mehr weit“ dominierte, zogen sich die letzten 20 Kilometer schlimmer als Kaugummi, denn die Füße hatten definitiv keine Lust mehr. Aber irgendwann sind auch die letzten Kilometer abgearbeitet und so erreichte ich nach 24:02 Stunden als vierundzwanzigster das Ziel. Geschafft! Wieder einmal einen tollen Lauf erfolgreich beendet.